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Percy Schmeiser wirbt für gentechnikfreies Bayern

Der Träger des Alternativen Nobelpreises gilt als Symbolfigur für den Widerstand gegen Gentechnik

Der Träger des Alternativen Nobelpreises, Percy Schmeiser, hat am 8.9.2008 im Freisinger Lindenkeller für eine gentechnikfreie Landwirtschaft geworben. Die Erfahrung zeige, dass es kein Nebeneinander zwischen dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen und gentechnikfreier Landwirtschaft geben könne, sagte Schmeiser. Der Bauer und Saatgutzüchter aus Kanada gilt weltweit als Symbolfigur für den Widerstand gegen die internationalen Saatgutkonzerne wie das US-amerikanische Unternehmen Monsanto.

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Percy Schmeiser on Tour
Percy Schmeiser Homepage - David vs. Goliath

Seit 1996 kämpft Percy Schmeiser aus der westkanadischen Agrar-Provinz Saskatchewan, Nachfahre bayerischer Auswanderer, mit seiner Frau Louise gegen den Allmachtsanspruch der Saatgut- und Agrochemie-Konzerne und hat für die Kollegen auch gegen die Übermacht von bisweilen 19 Anwälten des US-amerikanischen Multis Monsanto zumindest wichtige Teilerfolge errungen. 2000 war er mit dem Mahatma-Gandhi-Preis ausgezeichnet worden. Im Vorjahr erhielt der 77-jährige mit seiner Frau den Right Livelihood Award (alternativer Nobelpreis).

Was Percy Schmeiser über 50 Jahre hinweg an angepasstem Raps-Saatgut auf natürliche Weise gezüchtet hatte, war in den 1990er Jahren plötzlich von gentechnisch veränderten Monsanto-Sorten verseucht worden. Der den Schaden hatte, sollte nun allerdings nicht entschädigt, sondern sogar zu Lizenzgebühren verpflichtet und bestraft werden. Die Pflanzen gehörten jetzt dem Konzern. Dass Abstandsflächen kein Schutz gegen die Kontamination garantierten und eine Koexistenz des Anbaus von gentechnisch veränderten und gentechnikfreien Produkten unmöglich sei, bekräftige der Kanadier ausdrücklich. Es gehe den Konzernen um die „totale Kontrolle“ über den Saatgutmarkt, und dies sei der Todesstoß für Biolandwirte.

„Wir haben damit aufgehört“, sagte Percy Schmeiser: „Warum solltet ihr damit anfangen?“

Schmeiser warnte die anwesenden Landwirte eindringlich davor, nicht die gleichen Fehler wie er und seine kanadischen und US-amerikanischen Kollegen zu machen. In Europa gäbe es noch die Chance, da die Auswirkungen der Gentechnik in der Landwirtschaft nun bekannt sind.

„Wenn sich das auskreuzt, ist es nicht mehr rückholbar“

Das zeigen bittere Erfahrungen in Brasilien, den USA und Kanada.

Schmeiser betonte auch, dass in Kanada die 1996 zugelassenen gentechnisch veränderter Pflanzen/Organismen (GVOs) nicht die versprochenen Vorteile gebracht haben. Auch daher gab es keine weiteren Zulassungen. Die Agrochemie verspricht durch GVOs Züchtungen mit mehr Erträgen und inhärentem Schädlingsschutz. Dahingegen setzen Bauern wie Schmeiser darauf, durch Züchtung spezifisches Saatgut für die Bedingungen vor Ort zu entwickeln.

Das Ehepaar behauptete sich ungeachtet Prozessen und Anfeindungen. Sie verkörpern daher durchaus weltweit den Kampf von Bauern gegen gentechnisch veränderte Nahrungs-Pflanzen und den Widerstand gegen harsche Methoden seitens der Agrochemie.

Schon rein rechtlich ist alles komplex. Monsanto pocht auf den Schutz von Patent-Rechten. Anders als etwa bei Arznei-Patenten lassen sich gentechnisch veränderte Züchtungen auf Dauer nicht von herkömmlichen und biologisch angebauten Pflanzen exakt trennen. Ein Windstoß genügt, um den Samen kilometerweit auf andere Felder zu tragen. Das war Schmeisers Problem, denn er hat nie Monsanto-Produkte erworben. Der Konzern klagte aber, da er Monsanto-Pflanzen auf Proben von Schmeisers Feldern fand.

Die Methode, werde tausendfach weltweit praktiziert. Die Bauern kommen nur „frei“, wenn sie in Zukunft das gentechnisch veränderte Saatgut kaufen und für alle Zeiten auf alle Schadensersatzansprüche verzichten. Percy Schmeiser gab nicht auf, klagte durch alle Instanzen.

2004 entschied Kanadas höchstes Gericht zu Gunsten Monsantos, befreite Schmeiser aber von Schadensersatz und empfahl der Politik, rechtlich Klarheit zu schaffen. Ein weiterer Prozess, den die Schmeisers mit vielfältiger Unterstützung anstrengten, endete im März 2008 mit dem Eingeständnis Monsantos, als Patent- Inhaber für die Kontamination fremder Felder durch genverändertes Saatgut verantwortlich zu sein. In diesem Präzedenz-Urteil sieht Schmeiser einen Hebel für betroffene Bauern.

Der Konzern muss Schadensersatz für sein gentechnisch kontaminiertes Feld zahlen: „Das ist ein Meilenstein. Dieser Präzedenzfall wird tausenden Bauern Hoffnung geben.“