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Mobilitätsmanagement

Mobilität ohne Auto?! Geht das? Welche Möglichkeiten gibt es?

Straßen zum Leben - menschengerechte Nahmobilität
von Dr. Michael Stanglmaier
2007

Vortrag als eine pdf Datei
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Projektsionsfolien zu Mobilität ohne Auto

Das Urheberrecht liegt beim Autor. Vor beabsichtigter Verwertung der Unterlagen holen Sie bitte eine Genehmigung ein bei [email protected]

Moosburger Zeitung 27.09.2007

Weniger Autoverkehr durch Mobilitätsmanagement

Denkanstöße von Dr. Michael Stanglmaier über alternative Fortbewegungsmöglichkeiten in der Stadt

Moosburg. Die Stadt beteiligt sich an der europaweiten Woche der Mobilität, die in diesem Jahr das Thema „Straßen zum Leben“ hat. Hierzu will die Stadt am Samstag den Aktionstag „Ohne Auto“ veranstalten. Die Ortsgruppe Moosburg des Bundes Naturschutz nahm dies zum Anlass, sich am Dienstagabend im Rahmen einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Thema „Mobil ohne Auto. Geht das auch in Moosburg?“ zu beschäftigen.

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„Mobil ohne Auto“ – das geht laut Dr. Michael Stanglmaier auch in Moosburg: Mit dem Fahrrad zum Bahnhof und weiter mit dem Zug (Foto: kb)

Grünen-Stadtrat Dr. Michael Stanglmaier ging in seinem Vortrag über die Möglichkeiten, in der Stadt auch ohne Auto mobil zu sein, zunächst auf die Folgen des motorisierten Individualverkehrs ein. Er nannte die Schadstoff- und Lärmbelästigung, den Flächenverbrauch durch Straßen und Parkplätze, den Ressourcen- und Energieverbrauch, Verkehrstote und Verletzte sowie Gesundheitsschäden durch Bewegungsmangel und Stress.

Bei der Betrachtung der Kohlendioxydemissionen verschiedener Verkehrsträger warb Stanglmaier für das Fahrrad, da sei die Emission nämlich gleich Null. Die Treibhausgase würden deutlich reduziert werden, wenn man die Leute vom Auto in den Zug bringe. Ziel müsse letztendlich sein, den Bürgern alternative und geeignete Fortbewegungsmöglichkeiten aufzuzeigen und diese zu fördern. In diesem Zusammenhang sei auch die Weiterentwicklung eines bedarfsgerechten ÖPNV nötig.

Was der Einzelne zu einem „umweltverträglichen Mobilitätsmanagement“ beitragen könne, sei beispielsweise die Beteiligung am Car- Sharing, bei dem man so genannte Stadtteilautos gemeinschaftlich nutzen könne. Auch Mitfahrzentralen, die Nutzung der Möglichkeiten des Öffentlichen Personenverkehrs sowie Fahrrad- und Fußverkehr seien zu forcieren.

Wichtigstes Thema an diesem Abend war die Mobilität mit dem Fahrrad. Die Benützung des Fahrrades habe dabei einen individuellen und gesellschaftlichen Nutzen. Individuell könne man etwa eine Steigerung des Wohlbefindens durch mehr Bewegung erreichen. Auch die Kostenersparnis sei nicht zu verachten, so Stanglmaier. Hat jemand nur zwei Kilometer zur Arbeit, macht dies bei 220 Arbeitstagen 880 Kilometer Strecke aus, wofür wieder Spritkosten anfielen. Gesellschaftlich könne das Radfahren zu mehr Lebensqualität durch weniger Autolärm und Schadstoffe führen, vom Energieeinsparpotenzial und den positiven Folgen für den Klimaschutz ganz zu schweigen. Ein weiterer Vorteil sei die Senkung der kommunalen Verkehrsausgaben, wenn die Straßen durch Pkw nicht mehr so belastet würden.

Schließlich erklärte Stanglmaier, dass auch ein betrieblicher Nutzen durch das Radeln entstehen könne. Durch die gesundheitsfördernde Wirkung des Radfahrens sei ein Rückgang krankheitsbedingter Fehlzeiten und Kosten wahrscheinlich. Des Weiteren können die Kosten für Parkräume verringert werden und Kfz-Stellplätze einer anderen Nutzung zugeführt werden. „Eine Innenstadt lebt davon, dass man wohnortnah einkaufen kann“, so Stanglmaier. Daher bringe Radfahren auch für die Geschäftswelt einen Nutzen.

In verschiedenen Städten gebe es Vereine, die Mobilitätsmanagement betreiben, wusste Stanglmaier. Dabei würden zum Beispiel Schließfächer für das Zwischenlagern von Einkäufen in der Innenstadt aufgestellt oder ein Lieferservice für Radfahrer eingerichtet. Zudem könne man die Fahrradkultur verbessern, wenn man die Infrastruktur für Radler verbessert. Ein Verleih von Anhängern und Taschen werde in anderen Städten darüber hinaus angeboten.

Ist man erst mal mit dem Rad mobil, ist es bis zum nächsten Schritt nicht mehr weit: Mit dem Fahrrad in den Urlaub. Das „Bayernnetz für Radler“ im Internet biete zahlreiche Informationen zu allen bayerischen Fernradwegen.

„Moosburg ist eine Stadt der kurzen Entfernungen“, so der Referent. Die größte Entfernung von einem Punkt in Moosburg zu einem anderen betrage vier Kilometer, selbst Degernpoint sei nur zwei Kilometer vom Stadtkern entfernt. Einer Studie der Uni Münster zufolge sei das Fahrrad innerorts bis zu einer Entfernung von sechs Kilometern schneller als das Auto. Rund 50 Prozent der Autobewegungen seien für Strecken unter fünf Kilometern.

Deutschlandweit werden elf Prozent der zurückgelegten Wege mit dem Fahrrad gefahren. Im Vergleich dazu seien es in den Niederlanden 27 Prozent, dort gebe es nämlich den Nationalen Radwegeplan. In München liege der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Strecken bei 16 Prozent.

Für rund 90 Prozent der Moosburger betrage die Entfernung zum Bahnhof nur 1,5 Kilometer, „es spricht also alles dafür, das Rad zu benutzen.“ Von der Böhmerwaldstraße am Rande der Stadt bis in die Lerchenstraße in der Stadtmitte sei man 15 Minuten lang mit dem Rad unterwegs.

Nach Stanglmaiers Worten sei es dringend nötig, den Fahrradverkehr zu fördern. Hierzu müsse das Radwegenetz ausgebaut und besser ausgeschildert werden. Außerdem müssten ausreichend Fahrradstellplätze vorhanden sein.

Um die Bürger weg vom Auto auf das Fahrrad zu bringen, sei laut Stanglmaier viel Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Mit entsprechenden Information und Aktionen müsse dem Bürger vermittelt werden, dass Radfahren „in“ ist.

Für ein besonders gelungenes Projekt hielt Stanglmaier die Verkehrspargemeinde Langenlois in Niederösterreich. In der Gemeinde mit rund 7700 Einwohnern sei es binnen vier Jahren gelungen, durch gezielte Aktionen wie „Autofreier Tag“, „Verkehrsparfeste“ oder „Nahkauftage“ den Anteil der Radfahrer von drei auf 14 Prozent zu erhöhen. Der Anteil der Pkw-Fahrten konnte deutlich gesenkt werden. Rund 70 Prozent der Bewohner von Langenlois sprachen sich dafür aus, dass die Gemeinde eine Verkehrspargemeinde bleiben soll.

Stanglmaiers Tipp für die Dreirosenstadt: „Man muss einfach schauen, wie andere eine Stadt fahrradfreundlich machen und es dann nachmachen. -kb-

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Dr. Michael Stanglmaier referierte über „umweltgerechte Mobilität“