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Moosburger Zeitung 02.08.2007

Grünen-Chef rastet in der Solarstadt

Reinhard Bütikofer zu Besuch bei Citrin – „Deutschland hinkt der Entwicklung hinterher“

Moosburg. „Handwerk hat grünen Boden“ – unter diesem Motto unternimmt Grünen-Bundesvorsitzender Reinhard Bütikofer derzeit eine Informationstour. DieseWoche gastiert er in Bayern, nächsteWoche in Hessen und Thüringen. ImRahmen dieser Reise nahm er sich Zeit für ein Gespräch in den Redaktionsräumen der Moosburger Zeitung (siehe Interview auf Seite 15) und besuchte amDienstagabend die Firma CitrinSolar. Einer ausführlichen Werksführung schloss sich eine Diskussionsrunde mit der Geschäftsführung, Handwerkern, Parteifreunden und den Solarfreunden Moosburg an. Fast dreieinhalb Stunden nahm sich der Politiker Zeit.

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Freundlicher Empfang (v. l.): Citrin-Geschäftsführer Edwin Baur und Hanns Koller, Reinhard Bütikofer, die Grünen-Politiker Dr. Michael Stanglmaier und Toni Wollschläger

Hanns Koller und Edwin Baur informierten den Gast zunächst per Powerpoint-Präsentation über ihr junges Unternehmen, bevor sie Bütikofer die Werkshalle zeigten. Koller hob die moderne Fertigung hervor. Man stehe im internationalen Wettbewerb undmüsse daher hohe Stückzahlen rational durchorganisiert produzieren. Lohnkosten spielten angesichts des hohen Automatisationsgrades keine herausragende Rolle mehr. „Made in Germany“, so Koller, sei im Sektor der Solartechnik ein weltweites Gütesiegel. Der Preis deutscher Produkte werde akzeptiert, da Deutschland Messlatte sei. Dies erfahre er immer wieder von seinen Abnehmern.

Stolz ist man bei Citrin darauf, dass man als noch sehr junges Unternehmen bundesweit auf Platz fünf bis sechs steht. Im Heizungsraum, der auch als Forschungszentrum dient, erklärte Koller, er glaube an die Serienreife solarer Kälteanlagen bis 2009. Bütikofer stellte während des Rundgangs immer wieder konkrete Nachfragen und vermerkte Ergebnisse in einem Büchlein.

Bei der Diskussion gab es viel Lob für das Erneuerbare EnergienGesetz. Der Grünen-Politiker forderte, ein vergleichbares Gesetzmüsse auch für erneuerbare Wärme beschlossen werden. Von zwangsweisen Verordnungen halte er nichts: Wenn diese kämen, würden Maßnahmen nur höchst widerwillig und auf niedrigstem Niveau ausgeführt. Die Zwangslösung Baden-Württembergs halte er daher „nicht für den intelligentesten Weg“. Es gelte, ökonomische Anreize zu setzen.

Bremser Glos

Misstrauisch gab sich Bütikofer hinsichtlich des Willens der Bundesregierung, ein solches Gesetz auch wirklich zu erlassen. Insbesondere Wirtschaftsminister Michael Glos werde sich allen Erfahrungen nach als Bremser erweisen. Als Grünen- Politiker und noch dazu aus der Opposition heraus könne er hier wenig machen. Er forderte die Anwesenden und insbesondere mittelständische Unternehmer wie Koller oder die Handwerksmeister auf, vom „Hinterland der Schwarzen“ aus bei der CSU Druck zu machen. Bei den erneuerbaren Energien etwa sei der Druck des Bauernverbandes mit entscheidend dafür gewesen, dass das entsprechende Gesetz beim Regierungswechsel nicht gekippt worden sei. Und das Dosenpfand lebe auch nur noch deshalb, weil mittelständische Brauereien ihren schwarzen Abgeordneten klar gemacht hätten, dass sie im anderen Fall in Zukunft von weit her transportiertes Dosenbier trinken müssten.

Vorbild Oberösterreich

Viel Lob zollte Bütikofer dem schwarz-grün regierten Oberösterreich. Wenn man den dortigen Anteil regenerativer Energien auf Deutschland hochrechne, könnte man hierzulande auf zwei Kernkraftwerke verzichten. Auch Italien fördere derzeit massiver als Deutschland. In beiden Ländern würden Hoteliers die Vorteile solarer Wärme vom Wellnessbereich bis zur Wäscherei entdecken, so Koller. Hier hinke Deutschland der Entwicklung hinterher, waren sich Bütikofer und Koller einig.

Bütikofer warnte davor, sich in der öffentlichen Diskussion dahingehend auseinander zu dividieren, welche regenerative Energie die „ökologischste“ sei. Wenn Off-Shore- und On- Shore-Windenergieerzeuger, Biogasproduzenten oder Solarenergieerzeuger sich in Eitelkeiten zerstritten, seien alle ein leichtes Opfer. Das sehe man in Sachen Biodiesel und Bioethanol. Noch lachten die Erzeuger von Zweiterem über einen „Sieg“ über den Biodiesel, aber eigentlich habe man einen natürlichen Verbündeten verloren. Bütikofers Ausführung bezog sich auf eine Anmerkung von Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger, der vor einer zu großen Industrialisierung des Anbaus nachwachsender Rohstoffe gewarnt hatte.

Ein spezielles Problem sind zum einen Mietwohnungen. Der Eigentümer kann Investitionen in eingesparte Energie – im Gegensatz etwa zur Slowakei – nicht auf dieMieter umlegen. Zumanderen würden öffentliche Gebäude ihrer Vorbildfunktion nicht immer gerecht. Dies bestätigte Bütikofer auf Nachfrage der Moosburger Zeitung und nannte ein bürokratisches Hemmnis: Wer etwa für Kasernen plane, erhalte als Vorgabe eine Verzinsung von sechs Prozent, jedoch einen Null-Prozent-Wert bei Zuschüssen und müsse mit gleich hoch bleibenden Energiekosten kalkulieren. Druck auf öffentliche Investoren könnten Bürgerbewegungen machen. Wenn die Stadt Frankfurt sage, sie könne sich energieverschwendende öffentliche Gebäude nicht mehr leisten, müsse von der Basis her in anderen Kommunen gefragt werden, wieso das hier nicht gehe. „Sind die gescheiter oder wir blöder?“, sei die drastische Frage an die Kommunalpolitiker, so Reinhard Kastorff.

270 Heiztage im Jahr

Hinzugelernt hatte der Politiker, was die Zahl jährlicher Heiztage betraf. Bütikofer hatte auf 90 getippt, es seien aber an die 270, so Koller. Selbst ein grüner Politiker hatte also das Einsparpotenzial erneuerbarer Wärme gewaltig unterschätzt. Das Kostenargument, so die Handwerksmeister Hans Schranner und Korbinian Deliano auf Nachfrage Bütikofers, sei bei den Anschaffungen nach wie vor das wichtigste Argument. Der investierende Bürger wolle die Amortisation in einem überschaubaren Zeitraum sichergestellt wissen. Daher, so Bütikofers erneut vorgetragenes Argument, sei die Förderung erneuerbarer Energien der richtige Weg gewesen. -fi-

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Die abschließende Diskussionsrunde erörterte zahlreiche Details mit dem Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/DieGrünen (Fotos: fi)

Siehe auch: www.gruenes-klima.de Handwerkstour: Solarthermie als Schlüsseltechnik