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Grüner Bürgermeister von Furth schafft Energiewende

Mi 14.11.2007, 20:00 Gasthof Zur Lände, Lände 1, Moosburg
Dieter Gewies aus Furth bei Landshut berichtete wie er die Energiewende geschafft hat, was Moosburg noch erreichen muß.

100% Erneurerbare Energien für Moosburg - Ist das möglich

Ganz Bayern ist im Griff der Energiekonzerne. Ganz Bayern? Das Dorf Furth bei Landshut leistet erbitterten Widerstand. Bürgermeister Dieter Gewies berichtete in Moosburg, wie es gelang, seine Gemeinde fast vollständig auf dezentrale Stromproduktion und regenerative Energien umzustellen.

Begonnen hat das neue Zeitalter für die 3000-Einwohner-Gemeinde mit der Kommunalwahl 1996. Damals setzte sich Gewies gegen 4 Konkurrenten in der Stichwahl mit 71 zu 29 Prozent durch. Das Ergebnis war vor allem deshalb bemerkenswert, weil Gewies Gründungsmitglied der Grünen ist und sein Gegner von der CSU kam - und das im tief schwarzen Niederbayern.

Aber die Bürger wussten offenbar, was sie wollten: weg von Öl und Gas, hin zu Sonnenenergie und nachwachsenden Energieträgern. Sechs Jahre später bestätigten sie den »Betriebsunfall«, wie Gewies seine erste Wahl gern bezeichnet. Seither ist er hauptamtlich tätig.

Furth - ein Platz an der Sonne

Die stark gestiegenen Energiepreise sind zwar ein aktueller Anlass, sich stärker über Energieeinsparung und Alternativen zur derzeitigen Energieversorgung Gedanken zu machen, die Probleme sind aber schon viel länger bekannt: begrenzte fossile Energieträger, Restrisiko, fehlende Entsorgung bei Atomkraftwerken, Kriege um Öl, Versorgungsunsicherheit, Luftverschmutzung und Klimaveränderung. Um diesen Problemen zu begegnen, hat die Europäische Kommission ein 'Weißbuch' herausgegeben, mit dem die schon vorhandenen Alternativen gefördert werden sollen.

Energieeinsparung und erneuerbare Energien sollen demnach eine kräftige Unterstützung erhalten. Mit einem ganzen Maßnahmenbündel soll die breite Markteinführung erneuerbarer Energien beschleunigt werden. Die Kommission hofft, damit den technologischen Vorsprung Europas auch in die entsprechenden Marktanteile für die europäische Industrie umsetzen zu können, denn nach Ansicht vieler Fachleute wird dieser Markt in naher Zukunft zu den umsatzstärksten Industriebranchen der Welt zählen.

Eine dieser Maßnahmen der EU ist dabei die Anschubkampagne mit den '100 Gemeinden in Europa mit 100 Prozent erneuerbarer Energie'. Beispielhaft soll hier gezeigt werden, welch riesige Potentiale in Europa bei den erneuerbaren Energien Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme und Biomasse vorhanden sind. Als erste Gemeinde in Deutschland wurde Furth von der Kommission als Modellgemeinde mit diesem Ziel anerkannt. Auch die bayrische Staatregierung würdigt den beispielhaften Einsatz der Bürgerinnen und Bürger und hat Furth zu einer der drei Energiemodellgemeinden in Bayern im Rahmen der Agenda 21 bestimmt.

Seit ca. 25 Jahren nimmt im Bereich Erneuerbarer Energien Furth eine Vorreiterrolle ein: 1982 wurde im Ortsteil Schatzhofen der erste 'Sonnenenergietag' abgehalten, 2005 zum 20. Mal. Damit ist er die älteste Veranstaltung dieser Art in Bayern. In erheblicher Zahl sind in der Gemeinde neue und alte Sonnenkollektoren auf den Dächern (ca. 1000 qm) zu sehen. Die erste netzgekoppelte Fotovoltaikanlage Niederbayerns aus dem 1000-Dächer Programm des Bundes steht hier ebenso wie das erste deutsche Hackschnitzelheizwerk mit Brennwerktechnik und Solarunterstützung, das den Ortskern und eine Wohnsiedlung mit Wärme versorgt. In Furth wurde die Idee des 'Bürgersolarkraftwerkes' entwickelt und erstmals umgesetzt, und etwa 150 Solarstromanlagen mit mehr als 5000 Quadratmetern erzeugen Strom aus Sonnenlicht. Eine 50 kw Biogasanlage erzeugt nicht nur Elektrizität, sondern versorgt noch 6 Häuser mit Wärme. Auch hier waren die Furtherinnen und Further Vorreiter. Das Solarzentrum Furth ist einer der größten Spezialbetriebe in Bayern auf dem Gebiet der Photovoltaik, das auch bei der Sanierung seiner neu bezogenen Betriebsgebäude auf dem Gebäude der alten Brauerei in Furth verbindliche Akzente gesetzt hat. Mit der Sanierung der Volksschule und der Errichtung des neuen Dorfzentrums wurden höchste ökologische Maßstäbe gesetzt.

Etwa 20000 Menschen - Wissenschaftler, Ingenieure, Politiker, Gemeinderäte, Bürgermeister, Hoch- , Fach- und andere Schüler, auch viele ausländische Gäste - konnten sich bisher in Furth über Erneuerbare Energien in der Praxis informieren. Mit diesen Aktivitätten stellt Furth ein weit über seine Größe bedeutendes Zentrum für Nachhaltigkeit dar und hat einen erheblichen Anteil daran, dass es heute nirgendwo in Deutschland so viele Sonnenenergieanlagen gibt wie in Stadt und Landkreis Landshut.

Preise und Anerkennungen

Durch eine Reihe von Auszeichnungen und Preise, zahlreiche Beiträge in den regionalen und überregionalen Medien wurden die Bemühungen der Further Bevölkerung für eine lebenswertere Zukunft gewürdigt.